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| Noch mehr Kunst aufräumen (Gebundene Ausgabe) von Ursus Wehrli
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ordnung ist das halbe leben ...
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kunstkenner amüsieren sich noch heute über die putzfrau, die jene badewanne dienstfertig blitzblank putzte, die der performance-künstler joseph beuys gerade wegen ihres drecks für heilig gehalten hatte. im nu war aus einem millionen-objekt etwas für jeden erschwingliches geworden. ähnliche aufräum-bemühungen kann man bei dem grafiker und satiriker urs(us) wehrli entdecken. alles hatte wohl damit angefangen, dass er eine der kleeschen farbtafeln, "qu1", 1930, jene mit den fröhlichen kindergarten-farben, "sortierte", d.h. jene ausgeklügelte aber verwirrende patchwork-idee klees zurück-vereinfachte in einen bauklötze-turm aus orangenen, roten, blauen und grünen klötzchen. die ernsthaften unter uns werden vor dieser idee vielleicht auf die knie gehen und wehrli gleichsetzen mit dem berühmten schweizer architekten und bauhaus-konstruktivisten max bill, der sich auch zeitlebens mühte, den technisch-seriellen gedanken deutlich in der kunst zu verankern. die albernen unter uns werden lieber auf den österreicher alf poier verweisen, der bühnen-nietzsche, der hektisch aus seinen koffern kindergarten-grafiken hervorzerrt und dem verblüfften publikum die welt erklärt. die letzte assoziation trifft eventuell den nagel auf den kopf: wehrli ist nämlich global auf tournee unter dem markenzeichen "ursus & nadeschkin" (urs wehrli im duo mit nadja sieger) - und verunsichert die kabarett-zuschauer wie alf poier oder volker pispers, konrad beikircher oder georg schramm. unabhängig von seiner kabarett-performance sind die bücher aber auch allein genießbar. auch band zwei, "NOCH MEHR KUNST AUFRÄUMEN" ist kein verdünnter folge-aufguss des ersten genialen bandes: der zweite dreht den irrsinn eher noch eine spirale höher: einer ordentlichen notenpartitur ist zur seite gestellt eine "aufgeräumte": blanke notenlinien, die achtel in einer schublade, die violinschlüssel in einer anderen, die g's und a's und h's schön sauber voneinander getrennt. mir fallen die dreigeteilten großkantinenteller ein, in denen es auch unmöglich ist, dass erbsen zum fleisch hinüberrutschen oder in die soße der kartoffeln geraten. so entwirrt denn auch wehrli das punkte-chaos der impressionisten, indem er das ganze in einem bunten perlen-sammel-beutel anhäuft. oppenheims pelztasse wird wieder entkleidet und daneben sitzt, gott-hab-dank, der unversehrte hase - und die seele des betrachters hat wieder ruh'. egon schieles wie an einem fadenstück ausgebreiteter weiblicher akt liegt als ordentliches fadenknäuelchen wieder da, keinerlei obszöne gedanken mehr zulassend. wer mit wehrli durch die kunstgeschichte streift, wird wehrhaft gegen das, was uns die künstler angetan haben und schafft wieder, die normale bürgerliche ordnung zu erleben. natürlich empfehlenswert.
Eine Rezension von Dietmar Fritze "frizztext" Germany
vom 14. Mai 2005
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