Das kann ich auch! Gebrauchsanweisung für moderne Kunst


 
Dschungelführer für Kunstbanausen
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(REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Das kann ich auch!: Gebrauchsanweisung für Moderne Kunst (Broschiert) Wahrscheinlich hat jeder schon mal vor einem Kunstwerk gestanden, mit dem er rein gar nichts anfangen konnte. Wer befürchtet, für den Fall, dass er sich kopfschüttelnd abwendet, als Kunstbanause zu gelten, sollte unbedingt "Das kann ich auch" lesen. Was auf den ersten Blick daher kommt wie eine Generalabrechnung zweier Ex-Kunststudenten mit dem ach so ungerechten Kunstmarkt, entpuppt sich schon bald als ebenso intelligenter wie witziger Führer durch den Dschungel zwischen Meese und Warhol, zwischen Minimalismus und Größenwahn, zwischen Auktion und Spekulation.

Mit einer gehörigen Portion schmidtschem Zynismus im Gepäck (der wenigstens als Unterton das ganze Buch durchzieht) eilen Saerendt und Kittl im Sauseschritt durch eine immense Fülle an Material aus der Kunstgeschichte der letzten 60 Jahre; überwiegend anektdotenhaft aufbereitet bzw. untermauert. Das permanente Namedropping ist dabei anfangs etwas gewöhnungsbedürftig aber letzlich plausibel, die ausgewählten Beispiele meist sehr amüsant und die kleinen Geschichten am Rande teilweise zum Brüllen komisch. Meine persönliche Lieblingsanekdote ist die von Gasgerd Schröder, der gemeinsam mit seinem Kumpel Jörg Immendorff, kurz vor dessen Koksorgie im Düsseldorfer Steigenberger, einem St. Petersburger Museum eine Skulptur vermachte, deren Titel ausgerechnet "Die Nase" lautete. Ein weiterer Höhepunkt der Lektüre sind die (nicht ganz ernst gemeinten) Small-Talk-Tipps, für das Vernisagegespräch zwischendurch.

Alles in allem ein guter Wurf. Kurzweilig, sympathisch, unaufgeregt und zeitgemäß geschrieben. Angenehm fällt auf, dass den beiden Autoren offenbar nicht nur das Geschwafel der Kunstelite, sondern auch die Sichtweise der Stammtische vertraut zu sein scheint.

Die ultimative Checkliste für die Unterscheidung zwischen guter und schlechter Kunst wollen (und können) auch Saehrendt/Kittl nicht liefern. Aber sie bieten im Ansatz eine konkrete Indiziensammlung für schlechte Kunst, die sich noch dazu sehr unterhaltsam liest. Was bleibt, ist die selbstbewusst-kritische Bereitschaft, auf Kunst zuzugehen. Die Documenta kann also kommen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. Mai 2007
Kundenrezensionen:
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