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Frauen an den Geräten, im Kopf des Künstlers und in seinem Bücherschrank (JZ-Rezension 13/15)
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 1000 REZENSENT) (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Femina (Audio CD) Das "Femina Photobook" gehört voll und ganz der Künstlerin Kiki Smith. Wer ihr Werk nur flüchtig kennt (z. B. die Ausstellung "All Creatures Great and Small"), wird sie sofort wieder erkennen. Bemalte Eier, die wie Steine aussehen, gegossene Körpersäfte, Tauben im Gebälk, eine blutbespritzte Schürze, glotzende Eulen, verbrauchte Blätter auf Asphalt, die Plastik einer sich räkelnden Wölfin mit einer unbekleideten Frau - all das hat im allerweitesten Sinne mit Weiblichkeit und Mutterschaft zu tun, womit ich nicht sagen wollte, ich verstünde die Bezüge. Doch meine Assoziationsmaschinerie wird angeworfen, sie läuft und läuft, ins Leere oder nach vorne. "I'm not making art about being a woman able to reproduce. I haven't reproduced and know very little of it in that way. To me, making stuff about birth is about the fact that one is born oneself rather than that one is a capable breeder. That's an entirely different thing. Everyone is born. That's how you get here, and it's also something that you have to keep on repeating over and over again to keep your life vital - to be like a phoenix, to make new, or renew, your life existence", erzählte Smith einst dem Journal of Contemporary Art. Ich wüsste von keiner CD-Veröffentlichung, bei der sich das Label so viel Mühe gibt, dem primären Kunstprodukt (Musik) ein gleichwertiges und nicht nur begleitendes (Fotografie, Bildhauerei) beizugeben. Das ist aber noch nicht alles. Die Verpackung enthält auch zwei quadratische Karten, weitere Fotos von Skulpturen, Steinen und Eiern, auf dem Front- und Backcover rote Papiersterne auf weißem Grund. Das gesamte Art Design dürfte absolut singulär sein, so etwas hat es noch nie gegeben, zumindest nicht bei einer unlimitierten Veröffentlichung. Alles für die Kunst! Ich nehme die CD jedenfalls immer sehr vorsichtig und andächtig aus dem papiernen Gehäuse, um nichts zu knicken, nichts zu beschädigen, nichts abzureiben.
Die Musik ist überdies das mit Abstand gelungenste, was John Zorn bislang auf File Cards gekritzelt hat, sogar substanzieller als alles, was ich bislang von ihm kenne. Es ist das einzige Werk, das ich nach drei Monaten immer noch mit starkem Engagement höre, das mich immer noch bei Laune hält, dabei sind es nur 35 Minuten. Aber was sagt schon die Länge? Nichts! Mag das Abfeiern von Weiblichkeit mich wenig überzeugen (all das ist nur Behauptung, konzeptioneller Überbau ohne Erdung in den Tönen selbst), die Überhöhung der intellektuellen, leidenden, schaffenden, springlebendigen, esoterisch veranlagten Frau etwas zu gewollt "arty and smarty", so zählt doch das Ergebnis, an dem sechs Instrumentalistinnen beteiligt sind (alte Bekannte wie Sylvie Courvoisier am Klavier und die elektronische Virtuosin der Schlabber- und Gluckersounds Ikue Mori arbeiten an der Klangverknotung mit), und das ist so farbig, wundersam, gaga, kratzebitze, avantgardissimo, schneidend, vereinfachend, trivial, furchteinflößend, schrummselig, geigenselig, kurz gesagt: überraschend vielseitig, dass man sich unwillkürlich fragt, wie Zorn all diese Gegensätze vereinen kann, da er doch scheinbar nichts weiter tut, als sie zusammenzukleben. Laurie Anderson spricht ein paar Worte zu Beginn, und dann öffnet sich ein weiter Raum aus Möglichkeiten, Weiberlachen und -schnattern inklusive, Klaviertröpfeln, Violinschaben und wilde Percussion ebenso. Dass sich Ikue Mori zeitweise sehr zurück hält, tut der Komposition gut. Immer wieder werden melodische Passagen eingeschoben, die direkt aus einem Album von Meredith Monk extrahiert sein könnten. Das letzte Stück ist so simpel wie genial und entspricht in etwa der Schreibweise aus der Zeit von "Mercy". Obwohl das so sehr Monk ist, dass man sich fragt, wo da noch Zorn bleibt, bin ich restlos begeistert.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 2. Mai 2010 | | | | | | | | | | Kundenrezensionen: | | | 1. | Frauen an den Geräten, im Kopf des Künstlers und in seinem Bücherschrank (JZ-Rezension 13/15) (die aktuell angezeigte Rezension) |
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