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| 1972 von Josh Rouse
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| Rezensionen: | | Wer Josh Rouse schon fest in der Schublade junger Americana-Songschreiber wie Jeff Tweedy (Wilco) oder Conor Oberst (Bright Eyes) einsortiert hatte, wird mit1972eine Überraschung erleben. Statt filigranem Folk-Rock wie auf dem VorgängeralbumUnder Cold Blue Starshat der Singer/Songwriter, der in Nashville Tür an Tür mit Kurt Wagner vonLambchopwohnt, ein komplettes Album im Stil der frühen Siebziger eingespielt.1972ist eine Hommage an sein Geburtsjahr und, wie er betont, das Baujahr der Gitarre, auf der er die meisten seiner Songs schreibt.
Mit großem Enthusiasmus bedienen sich Rouse und Produzent Brad Jones (u. a. Dolly Varden) am musikalischen Fundus der Siebziger von Steely Dan bis Carole King und basteln eine Fülle raffinierter Pop-Zitate aus der beginnenden Disco-Ära in die Songs hinein. Josh Rouses Vorliebe für Soul trat in Ansätzen schon auf den früheren Alben zu Tage, hier lässt er ihr bei soulig groovenden Songs wie "Come Back (Light Therapy)" oder der funkig wummernden Single "Love Vibration" breiten Raum. "Under Your Charms" hat mit seinen altmodischen Streichereffekten etwas von einer schwülen Disco-Nummer, zu der sich anno 72 Menschen mit Afros und Schlaghosen näher gekommen sein könnten, und "Slaveship" beginnt mit einem Pianoriff, für das möglicherweise Elton Johns "Crocodile Rock" Pate gestanden hat.
Die bemerkenswerte Leistung der Produktion liegt vor allem auch darin, dass der Spaß am nostalgischen Retro-Arrangement zu keinem Zeitpunkt Gefahr läuft, vom Gehalt der Songs abzulenken. In Songs wie dem mit Gospelgesang und Akustikgitarre unterlegten "Sparrows Over Birmingham" gelingt das Experiment sogar ausgezeichnet. Die Stimmungen des Albums sind vielfältig angelegt, zwischen den funkigen Rhythmen wurde auch Platz für nachdenkliche, sparsam arrangierte Songs gelassen. Natürlich ist1972kein typisches Singer/Songwriter-Album, sondern bewegt sich ein gutes Stück in den Pop-Bereich hinein. Keinen Fan der Vorgängeralben dürfte dies allerdings wirklich stören, denn die Songs haben deswegen nicht weniger Tiefgang.1972ist zugänglicher alsUnder Cold Blue Starsund dürfte Josh Rouse viele neue Hörer bringen -- verdient hat er sie allemal.--Albrecht Volk
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